März 2012

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Bartimäus - Das Amulett von Samarkand

Titelbild Autor: Jonathan Stroud
Originaltitel: Bartimaeus - The Amulet of Samarkand
Genre: Jugendbuch / Fantasy
Erscheinungsjahr: UK: 2003 / D: 2004
Seitenanzahl: 540 (im Taschenbuch)

Das gehört dazu

Das Amulett von Samarkand ist der Auftakt zu einer Reihe rund um den Dschinn Bartimäus und damit der erste Teil. Obwohl es zahlreiche Fortsetzungen gibt, die auch alle bereits erschienen sind, ist der Roman in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Teilen gelesen werden. Die deutschen Titel der Reihe sind: Das Amulett von Samarkand, Das Auge des Golem, Die Pforte des Magiers, Der Ring des Salomo.

Der Mann hinter der Geschichte

Jonathan StroudDer englische Autor wurde 1970 in Bedford geboren. Bereits mit sieben Jahren begann der talentierte Junge, selbst Geschichten zu schreiben. Freiberuflicher Schriftsteller wurde er aber erst später. Zunächst studierte er Englische Literatur und arbeitete lange als Lektor und Herausgeber im Verlagswesen von London. Erst Mitte der 90er veröffentlichte er seine ersten Werke. Bartimäus zählt davon zu den bekanntesten.

Darum geht's in dem Roman

Bartimäus ist ein 5000 Jahre alter Dschinn einer höheren Stufe und damit ein sehr erfahrenes Wesen. Deshalb hatte er absolut kein kleines Kind erwartet, als er zum nächsten Mal beschwört wurde. Doch Nathanael, ein zwölfjähriger Zauberlehrling, weiß genau was er tut und warum er einen solch mächtigen Dschinn braucht. Er hat das Pentagramm einwandfrei gezogen und keinen Fehler in der Beschwörungsformel gemacht - Bartimäus kann nicht aus und muss dem Kleinen nun gehorchen, bis dieser ihn wieder entlässt.

Aber das hat Nathanael in nächster Zeit nicht vor. Er plant einen großen Racheakt gegen Simon Lovelace, der ihn als kleines Kind gedemütigt hat und befiehlt Bartimäus, ihm das "Amulett von Samarkand" zu stehlen. Doch das ist ein hochmagisches Artefakt, das gut geschützt in Lovelace's zu Hause liegt.

Bartimäus muss Nathanael jedoch gehorchen und macht sich auf den Weg, das Amulett zu stehlen. Er will den Auftrag schnellstmöglich abschließen, um dann wieder zurück an den anderen Ort kehren zu können. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn auf dem gemeinsamen Weg von Nathanael und Bartimäus tun sich einige Hindernisse auf, und nicht zuletzt erfährt Bartimäus auch noch den Namen von Nathanael und kann sich damit ein wenig gegen den jungen Zauberer wehren!

Ob die beiden ihr Kriegsbeil begraben können und Bartimäus den Auftrag zur vollsten Zufriedenheit seines Meisters ausführen kann? Wird der Racheakt gut gehen, oder legt sich Nathanael mit dem falschen Zauberer an? Noch ahnt der Junge nicht, welchen Stein er damit ins Rollen bringt...

Die Verpackung von außen

Das halte ich davon

Schauplatz: London. Ein Ministerium voller Zauberer. Ein junger Zauberlehrling, der sich vielleicht ein wenig überschätzt. Noch erinnert uns das Ganze ein klein wenig an den berühmten Harry Potter. Will der Autor hier etwa den Erfolg seiner Kollegin ausnutzen? Falsch gedacht! Denn Bartimäus hat zwar vielleicht die gleichen Grundzüge, unterscheidet sich aber im Rest der Geschichte extrem von den anderen Zauberbüchern. Hier geht es um Dschinne, Afriten und Maride - sehr hohe Wesen, ohne deren Hilfe ein Zauberer völlig machtlos ist.

Die neue Welt von Jonathan Stroud hat mir von Anfang an gefallen. Magische Wesen erst mit Hilfe von Pentagrammen beschwören zu müssen, hat irgendwie ein altes, verstaubtes, aber gemütliches Flair - es ist schwierig, das auszudrücken, aber es hat mich überzeugt, weil es etwas ist, was man in unserer modernen Welt so nicht erwarten würde. Zudem beschreibt Bartimäus, ein Dschinn, seine eigene Welt sehr schön, mit viel Witz und Sarkasmus, aber doch magisch schön. Davon konnte ich kaum genug bekommen. Dafür waren allerdings viele Beschreibungen von Schauplätzen in London zu langatmig und damit langweilig. Hier hätte es mir besser gefallen, wenn man das etwas eingeschränkt hätte.

Der Schreibstil des Buches bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Die Kapitel sind mehr oder weniger abwechselnd aus der Sicht von Bartimäus beziehungsweise aus der Sicht von Nathanael geschrieben. Bartimäus ist dabei ein Ich-Erzähler in der Gegenwart, Nathanael ein Er-Erzähler, der auch von der Vergangenheit berichtet. Das mag zwar gewöhnungsbedürftig klingen, ist aber gar nicht so schlimm. Mir ist es zumindest kaum aufgefallen und gestört hat es mich nicht.

Bartimäus' Kapitel habe ich lieber gelesen, was aber einen ganz anderen Grund hat: Seine Erzählungen sind immer wieder durch Fußnoten unterbrochen, in denen er einige Anmerkungen zum aktuellen Geschehen macht. Diese Fußnoten können rein informativer Natur sein (zum Beispiel, wenn er vom anderen Ort oder von früheren Erlebnissen berichtet) oder auch witzige, sarkastische Kommentare. Man kann die Kommentare auch gut weglassen, denn zum Handlungsfortschritt tragen sie nicht bei. Trotzdem gehören sie zu dem Buch einfach dazu und ich habe die meisten davon auch gerne gelesen. Manche waren allerdings zu lang oder haben mich gar nicht interessiert, die habe ich dann aber nur überflogen. Fußnoten können manchmal sogar die halbe Seite einnehmen.

Im eBook ist das anders gelöst. Dort sind die Fußnoten nicht unterhalb der Seite sondern einfach als Anhang am Ende angefügt worden. Mittels Querverweisen kann man problemlos hin- und rücknavigieren, sodass ein Lesefluss dadurch kaum gestört wird. Diese Vorgangsweise gibt einem weniger das Gefühl, mehr Fußnoten als Text zu lesen, was für manche bestimmt angenehm ist.

Viele Charaktere, die man als Leser kennen lernt, hat Jonathan Stroud nicht geschaffen. Tolle Nebenfiguren, die in anderen Roman immer zum heimlichen Star werden, gibt es hier nicht wirklich. Dafür ist dem Autor die Hauptfigur Bartimäus sehr gut gelungen. Gleich zu Beginn dieses Buches macht man Bekanntschaft mit seinem bissigem Sarkasmus, als er den kleinen Zauberlehrling Nathanael fertigmachen will und runtermacht. Auch bei der Beschreibung so mancher Schauplätze ist Bartimäus irrsinnig komisch und kann so den Leser für sich gewinnen - eine wundervolle Figur, ohne die die Reihe nicht das wäre, was sie ist. Genau genommen, wäre "Das Amulett von Samarkand" ohne Bartimäus eigentlich überhaupt nicht gut. Der Dschinn lockert die gesamte Handlung und Atmosphäre einfach extrem auf und das ist in diesem Roman sehr wichtig.

Nathanael ist nämlich eine ziemlich nervenaufreibende Hauptfigur. Er ist mit seinen zwölf Jahren schon sehr reif, erfahren und ehrgeizig. Er will in die Fußstapfen eines sehr, sehr einflussreichen Zauberers treten und hat überhaupt keine Bescheidenheit. Trotzdem kommt immer wieder das Kind in ihm durch, nämlich dann, wenn er nicht bekommt was er will. Man hat oft das Gefühl, dass er dann am liebsten einfach mal mit dem Fuß stampfen und trotzig "Ich will aber!" schreien würde. Doch so einfach ist das richtige Leben nicht. Und das muss Nathanael erst lernen, was ihn zu einem äußerst schwierigen Charakter macht, den ich selbst nicht besonders leiden konnte.

Zu der Handlung möchte ich nur noch ein paar wenige Worte sagen: Insgesamt konnte mich der rote Faden, der sich durch den Roman zieht, sehr wohl überzeugen und wäre vermutlich auch ohne Bartimäus noch interessant, nur die Umsetzung dann nicht mehr gut. Es gibt viele überraschende Wendungen, Zufälle, die man nicht erwartet hätte, geschehen und am Ende fügt sich alles zu einem großen Ganzen, das aufgeklärt wird. Alles so, wie es normalerweise sein soll. Das Ende ist auch in sich abgeschlossen, obwohl es sich um eine Reihe handelt. Dadurch kann der Roman völlig unabhängig von den anderen Teilen der Reihe gelesen werden.

In wenigen Worten

Bartimäus - Das Amulett von Samarkand ist ein witziger und spannender Auftakt zu einer Reihe, die man gerne weiterverfolgt, obwohl der Roman selbst in sich abgeschlossen ist. Die Charaktere sind völlig verschieden und polarisieren die Leser vermutlich, können aber überzeugen, weil sie eigenständige Charakterzüge haben. Obwohl die Handlung immer wieder von langatmigen Beschreibungen unterbrochen wird, ist durchwegs Spannung zu spüren. Ich vergebe 4 Schlüssel.
Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel
im Detail:
  • Idee: 3 von 5
    Zauberlehrlinge und ein Ministerium voller Zauberer in London? Das kennen wir doch schon! Aber mit neuen Elementen! :)
  • Figuren: 4 von 5
    Bartimäus übertrifft niemand, aber besonders die Nebenfiguren fand ich etwas undurchsichtig.
  • Spannung: 4 von 5
    Spannung baut sich langsam auf und bleibt dann ab der Mitte durchwegs erhalten.
  • Einstieg in das Buch: 3 von 5
    Nicht einfach und etwas zäh, aber es geht.
  • Spaß: 5 von 5
    Bartimäus Sarkasmus ist nicht zu übertreffen!
  • Cover: 4 von 5
    Das deutsche Cover gefällt mir sehr gut, auch wenn ich mir Bartimäus nicht so vorgestellt hatte. Er erscheint ja nie in solcher Gestalt.

Kommentare

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