März 2012

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Delirium

Autor:Lauren Oliver
Originaltitel: Delirium
Genre: Jugendbuch / Sience Fiction (Dystopie)
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenanzahl: 412

Das gehört dazu

Delirium ist der Auftakt zu einer Trilogie und damit der erste Teil. Lauren Oliver hat sich hier eine neue dystopische Welt einfallen lassen, in der Liebe als teuflische Krankheit, Amor deliria nervosa, angesehen wird. Der zweite Teil der Reihe erscheint 2012, der letzte 2013. Die einzelnen Titel lauten auf Englisch Delirium, Pandemonium, Requiem und werden hoffentlich, wie auch der Titel des ersten Teils, ins Deutsche übernommen.
Zusätzlich zu der eigentlichen Trilogie erscheint im Frühjahr 2012 eine Kurzgeschichte mit dem Titel Hana, allerdings nur als eBook. Der Titel lässt vermuten und hoffen, dass man in dieser Geschichte mehr über die beste Freundin von Lena erfährt.

Die Frau hinter der Geschichte

Lauren OliverLauren Oliver ist das Pseudonym der 1982 geborenen amerikanischen Autorin Laura Suzanne Schlechter. Sie studierte an der Universtität Chicago Philosopie und Literatur, und arbeitete nach ihrem Master-Abschluss bei einem großen Verlag in New York. Ihr erster Roman, Before I Fall (dt. Wenn du stirbst zieht dein ganzes Leben an dir vobei, sagen sie), erschien erstmals 2010 und wurde für den deutschen Jugendbuchpreis 2011 nominiert. Auch ihr zweites Buch, Delirium, ist bisher ein voller Erfolg, der noch auf viel mehr hoffen lässt.

Darum geht's in dem Roman

In der Welt, in der die 17-jährige Lena lebt, ist Liebe eine schwere Krankheit, die schwerste, die es nur gibt. Amor deliria nervosa, wie die Krankheit auch noch genannt wird, ist der Grund, dass die Menschheit fast ausgestorben wäre, der Grund für alles Schlechte auf der Welt - und deshalb hat man lange genug nach einem Heilmittel gesucht. Mittlerweile gibt es einen Eingriff, der den Patienten vor der Krankheit schützt, ein Eingriff, der am 18. Geburtstag vorgenommen wird. Lena steht kurz vor ihrem 18. Geburtstag und freut sich schon richtig darauf, da sie dann nicht mehr der ständigen Gefahr ausgesetzt ist, sich zu infizieren. Denn was Amor deliria nervosa anrichten kann, hat sie an ihrem eigenen Leib erfahren: Ihre Mutter hat sich selbst umgebracht, nachdem auch die dritte Operation nichts genützt hat und ihre Cousine bekam aus Liebeskummer einen tödlichen Herzanfall.

Umso schlimmer ist es für Lena, als ihre beste Freundin Hana plötzlich rebellische Verhaltensweisen zeigt. Hana macht sich Gedanken darüber, ob der Eingriff wirklich notwendig ist, ob er etwas bringt und ob die Liebe tatsächlich etwas so Schlimmes ist. Sie besucht plötzlich unerlaubte Partys, bei denen verbotene Musik gespielt wird und Jungen und Mädchen gemeinsam feiern, sich manchmal sogar berühren. Als Lena ihrer Freundin einmal nach langem hin und her doch auf eine solcher Partys folgt, trifft sie auf Alex. Alex mit den Haaren, die wie Herbstlaub leuchten und den hellen bernsteinfarbenen Augen. Alex, der Lena zeigt, wie man tanzt und sich gerne mit ihr unterhält.

Erst ist Lena skeptisch, aber als Alex ihr eine Narbe zeigt, die beweist, dass er schon operiert ist, lässt sie sich doch auf ihn ein. Sie trifft sich immer häufiger mit ihm, hat Spaß und erlebt zum ersten Mal etwas, das sie bisher noch nicht kennt: das Gefühl der Liebe. Als Alex Lena zeigt, wie sehr ihr Leben von der Gesellschaft eingeschränkt wird, beginnt sie zu begreifen, dass das System vielleicht doch nicht so gut ist, wie sie immer dachte. Dass die Liebe vielleicht doch nicht so schlecht ist, und es besser ist, als den Eingriff zu bekommen und zu einem gefühlslosen Erwachsenen zu werden. Aber Lena kann sich nicht gegen den Eingriff wehren, wenn sie weiterhin leben will...

Die Verpackung von außen

Das halte ich davon

Mein erster Eindruck, als ich den Klappentext gelesen habe, war einfach nur "Wow". Ich fand die Idee, die Lauren Oliver hatte, ganz toll, denn schon oft haben Menschen unter der Liebe gelitten, für viele war sie bereits mehr als nur einmal eher Fluch als Segen. Dass eine Gesellschaft die Liebe in Zukunft als schreckliche Krankheit deklarieren und ein Heilmittel dafür suchen würde, erschien mir gar nicht so abwegig. Ich war sehr gespannt, wie die Autorin ihre Idee umsetzen würde und habe voller Erwartungen begonnen, das Buch zu lesen.

Bereits die ersten Kapitel konnten mich überzeugen, denn sie sind interessant und versprechen dem Leser mehr. Die kurzen Auszüge aus dem Buch "Psst" zu Beginn jedes Kapitels sind schön zu lesen, und geben ein klein wenig Einblick in die Welt, in der Lena lebt. Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits ist aber, dass die Autorin die Welt, die sie erfunden hat, eigentlich nur hinsichtlich der Krankheit beschreibt, nicht aber in Bezug auf Technik und Fortbewegung oder ähnliche Dinge. Da der Roman weit in der Zukunft spielt, hätte ich es besser gefunden, wenn auch andere Entwicklungen der Gesellschaft beschrieben wären, denn so bekommt man meiner Meinung nach nicht allzu viel Einblick in die Welt. Natürlich ist die Krankheit Amor deliria nervosa jene Krankheit, die das gesamte Denken und Handeln der Menschen beeinflusst, aber trotzdem haben mir an dieser Stelle weitere Beschreibungen der Gesellschaft gefehlt, die in anderen dystopischen Romanen viel häufiger vorkommen.

Nichtsdestotrotz habe ich den Roman gerne weitergelesen und verfolgt, wie Lena sich im Laufe der Zeit entwickelt. Lena ist ein außerordentlich starker Charakter, der der Autorin gut gelungen ist. Die 17jährige hält das System zu Beginn für gut, freut sich regelrecht auf ihren Eingriff und ist schockiert, wie rebellisch sich ihre beste Freundin Hana verhält. Eine lange Zeit sprechen die beiden nicht einmal mehr miteinander, weil Lena die Rebellion ihrer Freundin nicht nachvollziehen kann. Erst mit der Zeit, und als Lena auf Alex trifft, beginnt ihre so starke Fassade und ihre Persönlichkeit leicht zu bröckeln. Lena fragt sich immer wieder, ob das System denn tatsächlich alles richtig macht, und ob es nicht auch noch andere Werte gibt, auf die man setzen sollte. Was spricht gegen die verbotene Musik? Und warum darf man sich nicht mit Jungs treffen, wenn man sich doch so gut mit ihnen unterhalten kann? Sehr gut gefallen hat mir auch, dass Lena immer wieder in ihre alten Muster zurückfällt, plötzlich doch wieder extrem viel Angst hat, sich mit Alex zu treffen - sich ihrer neu gebildeten Meinung dann aber wieder völlig sicher ist. Das zeigt, wie langsam die innere Wandlung von Lena vonstatten geht, ist aber äußerst plausibel. Als Leser beobachtet man ihre Persönlichkeitsentwicklung sehr gern.

Auch die anderen Charaktere, allen voran Hana, konnten mich überzeugen. Ich fand die Beschreibung der Figuren war nicht zu ausführlich und man konnte sich trotzdem etwas unter den einzelnen Personen vorstellen. Jeder Charakter sein eigenen Persönlichkeits- merkmale, die ihn als besonders kennzeichnen. Ich hoffe sehr, im zweiten Teil mehr über die einzelnen Figuren zu erfahren, besonders, wie es mit Hana weitergeht, die ja eigentlich auch schon gemerkt hat, dass das System, in dem sie lebt, doch nicht das Wahre ist. Hier könnte es auch sein, dass die Kurzgeschichte mit dem Titel "Hana", die im Frühjahr nur als eBook erscheint, einige Informationen bereithält. Ich bin schon sehr gespannt, denn ich habe die beste Freundin von Lena wirlich sehr liebgewonnen!

Nach einem etwas langwierigen Mittelteil (der aber absolut notwendig war), indem Lena in ihrer Persönlichkeit stärker wird, sich in Alex verliebt und wieder mit Hana spricht, kommen gegen Ende viele Überraschungen zutage. Ich hätte mit vielen der Wendungen überhaupt nicht gerechnet, aber am Schluss überschlagen sich die Ereignisse regelrecht. Ich konnte das Lesen zu diesem Zeitpunkt aufgrund der unaufhörlichen Spannung gar nicht mehr unterbrechen, außer es war unbedingt nötig. Das Ende selbst ist ein absoluter Cliffhanger, der den Leser sehr neugierig auf den zweiten Teil macht - und ihn nur ein klein wenig enttäuscht zurücklässt.

In wenigen Worten

Insgesamt ist "Delirium" ein spannender Auftakt zu einer neuen Trilogie, der den Leser am Schluss völlig entgeistert zurücklässt. Der Autorin ist die Geschichte gut gelungen, sie hat jedoch auf einige für mich wichtige Einzelheiten vergessen. Trotzdem verfolgt man die Entwicklung von Lena gern, kann den gemeinen Cliffhanger gerade noch so verkraften und hofft, dass der zweite Teil bald erscheint und viele Fragen klärt. Für diesen Roman vergebe ich gute 4 Schlüssel.
Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel
im Detail:
  • Idee: 5 von 5
    Spannend und gleichzeitig abwegig und plausibel. Gelungen!
  • Figuren: 5 von 5
    Kann man fast nicht besser machen. Die Entwicklung von Lena hat mir besonders gefallen.
  • Spannung: 4 von 5
    Eigentlich durchwegs erhalten, gegen Ende überschlagen sich dann die Ereignisse regelrecht!
  • Einstieg in das Buch: 3 von 5
    Ist in Ordnung, aber es dauert etwas, bis man sich ganz in Lenas Welt zurechtfindet.
  • Spaß: 2 von 5
    Für einen Roman mit ernstem Hintergrund ausreichend vorhanden!
  • Cover: 4 von 5
    Ich finde das deutsche Cover eigentlich recht schön, hätte es aber besser gefunden, wenn die Schriftzüge nicht über das ganze Gesicht gehen würden.
Ein herzlicher Dank ergeht an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensions-
exemplares.

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