März 2012

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Wie ein Flügelschlag

Titelbild Autor: Jutta Wilke
Originaltitel: Wie ein Flügelschlag
Genre: Jugendbuch / Thriller
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenanzahl: 283 (im Hardcover)

Das gehört dazu

Wie ein Flügelschlag ist ein für sich allein stehender Einzelroman, der auch in sich abgeschlossen ist.

Die Frau hinter der Geschichte

Jutta WilkeJutta Wilke wurde 1963 in Hanau geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern lebt und arbeitet. Obwohl sie eigentlich andere Wünsche hatte, hat die deutsche Autorin viele Jahre lang als Rechtsanwältin gearbeitet, bevor sie ihre Robe endgültig an den Nagel hängte und sich nur noch dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern widmete.
Am liebsten schreibt die Autorin übrigens trotz ihres wunderschönen Schreibtisches am Küchentisch, gemeinsam mit einer Tasse Kaffee und jede Menge Gummibärchen!

Darum geht's in dem Roman

Für die 16jährige Jana Schwarzer geht ein Traum in Erfüllung, als sie ein Stipendium für eines der renommiertesten Sportinternate erhält. Endlich kann sie das machen, was sie schon immer machen wollte: Schwimmen. Einfach nur schwimmen, sich frei fühlen und loslassen von dem Rest der Welt. Für Jana ist das Stipendium eine große Chance, denn ohne dieses könnte sie nie ihren großen Traum leben. Sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen, hat keinen Vater und keine Freunde und könnte sich ein Leben nur für ihren Sport sonst nie leisten. Dabei geht es ihr noch nicht einmal um den Erfolg und die Jagd nach Medaillen, sondern einfach nur um das tolle Gefühl, dass sie beim Schwimmen hat!

Das Internat ist für Jana aber auch kein Zuckerschlecken, denn von fast allen anderen Mitschülern wird sie aufgrund ihrer ärmlichen Herkunft gemobbt. Zudem schwimmt Jana auch noch viel besser als die anderen, was diese natürlich nicht sehr gerne sehen. Einzig und allein Melanie Wieland ist nett zu Jana. Ausgerechnet Melanie, die beliebt und schön ist, und deren größte Konkurrenz Jana ist. Denn bisher schwamm Melanie immer als Beste im Internat...

Trotzdem freundet sich Jana allmählich mit Melanie an, lernt sie besser kennen und darf sie auch zu Hause besuchen. Dort trifft Jana auf Melanies Vater, ein Arzt, der früher selber Leistungsschwimmer war und seiner Tochter scheinbar großen Druck macht. Am Tag nach dem Besuch ist aber alles anderes, Melanie geht Jana aus dem Weg, reagiert nicht auf ihre Anrufe und scheint sie regelrecht zu ignorieren. Als Melanie dann endlich einlenkt und mit Jana reden möchte, ist es aber schon zu spät - denn Melanie ist tot. Beim Schwimmen an Herzversagen gestorben, zu viel trainiert, sagen die anderen. Aber Jana glaubt nicht an einen Zufall und versucht gemeinsam mit Janas Bruder Mika hinter die Geheimnisse zu kommen, die Melanie umgeben...

Die Verpackung von außen

Das halte ich davon

Bereits mit ihrem Romandebüt Holundermond konnte mich die deutsche Autorin aus Hanau überzeugen, weshalb ich umso gespannter auf ihren neuen Roman war. Ein Thriller sollte es dieses Mal sein, schön abwechslungsreich zu den ganzen Dystopien und Fantasygeschichten, von denen der deutsche Buchmarkt derzeit überhäuft wird. Und die Zeit, die ich mit "Wie ein Flügelschlag" vebracht habe, habe ich wirklich genossen, denn der neueste Roman von Jutta Wilke kann sich absolut sehen lassen.

Gleich zu Beginn wird der Leser mit dem Tod von Janas bester Freundin Melanie konfrontiert, obwohl man weder Charaktere noch Umstände bisher kennt, was die Neugier natürlich enorm erhöht. Aber man muss sich zunächst ein wenig gedulden, denn nach diesem Schock führt die Autorin erst in das Buch ein, blendet drei Wochen zurück und erklärt, wie Jana Melanie überhaupt kennen lernte.

In der ersten Hälfte des Buches lernt man somit erst einmal das Internat und die Schüler und Lehrer dort kennen, die Geschichte plätschert nur langsam vor sich hin. Obwohl sie es in ihrem Leben nie einfach hatte, ist Jana charakterlich eine sehr reife Person, die weiß, was sie will: Schwimmen. Sie fühlt sich frei, wenn sie das tun kann, was sie schon immer tun wollte. Als Leser kann man darum auch den Ärger über ihre Mutter, die sich nie über das Stipendium gefreut hat und Jana das Schwimmen eigentlich ausreden will, verstehen. Trotzdem liebt Jana ihre Mutter immer noch und verspürt irgendwie immer einen Stich, wenn sie so schlecht über ihre Mutter denkt, was sie sehr authentisch und liebenswert macht. Auch Melanie ist ein außergewöhnlicher Charakter, über den ich gerne noch mehr erfahren hätte. Sie schwimmt in erster Linie um zu gewinnen und weil ihr Vater sie gewinnen sehen will. Kann Jana die Liebe ihrer Mutter nur gewinnen, indem sie das Schwimmen sein lässt, so ist es bei Melanie und ihrem Vater genau umgekehrt: Denn Melanie erfährt die Liebe von Seiten ihres Vaters nur dann, wenn sie gewinnt, ganz anders als ihr Bruder Mika.

Nachdem Jana Melanie das erste Mal zu Hause besucht und ihren Vater kennenlernt, ändert sich alles. Denn Melanie spricht nicht mehr mit ihr. Der Leser kann ebenso wie Jana absolut nicht verstehen, was denn nun eigentlich passiert ist. Und zu allem Überschuss verlangt der Schwimmtrainer von Jana auch noch, dass sie Melanie im Sichtungsschwimmen gewinnen lassen soll! Jana ist hin- und hergerissen und weiß nicht was sie tun soll. Es geht ihr zwar nicht um den Sieg, aber absichtlich langsam zu schwimmen, erscheint ihr doch falsch. Am liebsten würde sie darüber direkt mit ihrer besten Freundin reden, aber die will keinen Kontakt zu ihr. Janas Gefühle sind so authentisch und echt, sodass man auch als Leser hin- und hergerissen ist, obwohl man selbst vielleicht eine klare Meinung hätte.

Als Melanie dann aber tot im Becken aufgefunden wird und für Jana eine Welt zusammenbricht, ist es bei mir mit der Authentizität vorbei. Jana ist extrem fertig und verhält sich in meinen Augen so, als wäre ein sehr enges Familienmitglied von ihr gestorben, nicht ihre "beste Freundin", die sie seit ein paar Wochen kennt und bei der sie erst einmal zu Hause war. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum Jana Melanies Tod so trifft, denn ich hatte nie das Gefühl, dass die beiden sich so nahe stehen. Zudem dauert es wirklich mehrere Kapitel, bis Jana sich wieder beruhigt, die man meiner Meinung nach einfach weglassen hätte können, denn mich haben sie nur genervt und zu nichts geführt. Schade!

Dann beginnt Jana aber gemeinsam mit Melanies Bruder Mika die Umstände von Melanies Tod zu klären, und es wird wieder spannender und besser. Hier ist aber nur mehr knapp 1/3 des Buches übrig, was ich sehr schade finde, denn ich hätte den Mord gerne ein wenig ausführlicher beschrieben gehabt. Mir war das hier zu viel Gefühlsduselei für einen Thriller. Dass Jana sich auch noch in Mika verliebt hat, setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Muss man denn mit aller Kraft eine Liebesgeschichte in einen Thriller einbauen? Ich habe den ganzen Roman nicht ungern gelesen und er hat mir auch gefallen, aber ich hab mich schon ein paar Mal darüber ärgern müssen.

Nichtsdestotrotz nimmt die Handlung dann eine drastische Wendung, wie ich es an Thrillern liebe, denn hier kommen garantiert einige auf die falsche Spur. Von der kompletten Auflösung hätte ich nichts geahnt, auch wenn ich den richtigen Täter vermutet habe. Äußerst spannend zu lesen! Dafür sorgt auch Jutta Wilkes Schreibstil, den ich als sehr angenehm empfinde. Der gesamte Roman lässt sich flüssig lesen und ich hatte nie das Gefühl, aufhören zu WOLLEN, auch wenn ich mich über ein paar Dinge geärgert habe. Alles in allem also doch gelungen ;)

In wenigen Worten

Wie ein Flügelschlag ist ein spannender Thriller, der mir persönlich aber zu gefühlslastig ist. Ich lese bei einem Thriller viel lieber über den Mord und falsche Verdächtigungen als über die Liebesgeschichte mit dem kleinen Bruder der Toten! Trotzdem hat Jutta Wilkes Schreibstil dafür gesorgt, dass ich die Handlung neugierig verfolgt und das Buch nur selten aus der Hand gelegt habe. Wen die vielen verschiedenen Gefühlswelten nicht stören, wird dieses Buch uneingeschränkt begeistern, denn auch ich fand es bereits gut. Das Ende kommt überraschend und kann auf jeden Fall überzeugen. Ich vergebe 4 Schlüssel.

Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel
im Detail:
  • Idee: 4 von 5
    Sehr spannend, ein ganz anderes Setting als man es gewohnt ist und eine interessante Täter-Geschichte!
  • Figuren: 4 von 5
    Sehr schön beschrieben, konnten mich fast immer überzeugen, nur Janas Nervenzusammenbruch nach Melanies Tod hat mich gestört.
  • Spannung: 3 von 5
    Kommt erst gegen Ende auf, dann aber super!
  • Einstieg in das Buch: 5 von 5
    Spannend und schockierend. Gut!
  • Spaß: 2 von 5
    Nicht wirklich viel.
  • Cover: 4 von 5
    Ich mag das deutsche Cover, es passt auch gut zur Handlung. Aber es ist nicht perfekt :D
Ein herzlicher Dank ergeht an den Coppenrath Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensions-
exemplares.

Kommentare

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