März 2012

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Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Titelbild Autor: Ali Shaw
Originaltitel: The Girl With Glass Feet
Genre: Jugendbuch / Fantasy
Erscheinungsjahr: UK: 2009 / D: 2012
Seitenanzahl: 400 (im Hardcover)

Das gehört dazu

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen ist ein für sich allein stehender Einzelroman, der zumindest teilweise in sich abgeschlossen ist.

Der Mann hinter der Geschichte

Ali Shaw Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in Dorchester in Dorset auf. Er studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben an der Lancaster University. Nach seinem Studium begann er als Buchverkäufer in einer Bücherei in Oxford zu arbeiten.
Das Mädchen mit den gläsernen Füßen ist sein Romandebüt, derzeit arbeitet er an seinem zweiten Roman The Man Who Rained.

Darum geht's in dem Roman

Nach dem Joggen stellt Ida Maclaird eines Tages fest, dass sich in ihrem Fuß ein Glassplitter befindet, der sich nicht mehr entfernen lässt. Tage später ist sie sich sicher, dass ihre Füße sich langsam in Glas verwandeln. Unsicher, was mit ihr geschieht, kehrt sie zurück an den Ort, wo alles begann: St. Hauda's Land. Das ist eine sehr triste, einsame Insel und die Bewohner dort sind alle sehr eigenartig. Trotzdem ist es Idas einzige Hoffnung, denn sie kann nur an dem Ort Hilfe bekommen, wo ihre Verwandlung begonnen hat. Und sie muss schnell herausfinden, was tatsächlich mit ihr passiert, denn das Glas breitet sich immer schneller aus.

Durch Zufall begnetet sie auf der Suche nach Hilfe Midas, einem sehr ruhigen Jungen, der gerne fotografiert. Anfangs trennen sich die Wege der beiden schnell wieder, aber als Ida bei ihrer Suche auf der Insel nicht mehr weiterkommt, wendet sie sich wieder an Midas. Er ist schließlich der erste, dem sie ihr Geheimnis anvertraut. Gemeinsam versuchen Ida und Midas nun, Hilfe zu suchen und herauszufinden, was mit Ida passiert. Aber die Zeit wird immer knapper, denn Idas Verwandlung schreitet immer weiter fort. Was wird mit Ida passieren, wenn sich das Glas nicht aufhalten lässt?

Die Verpackung von außen

Das halte ich davon

Die Handlung von "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" hat mich von Anfang an sehr interessiert und aufgrund der vielen positiven Rezensionen habe ich mir auch sehr viel davon erwartet. Allerdings war ich auf einen typischen Jugendbuch-/Fantasyroman eingestellt, und das wird dem Leser hier keineswegs geboten. Das wurde mir persönlich zum Verhängis, denn das was der Autor dem Leser tatsächlich bietet, spricht mich leider nicht unbedingt an. Mir fällt die Rezension dieses Mal auch richtig schwer, weil ich das Gefühl habe, dass ich selbst dem Buch einfach nicht gerecht wurde. Ich versuche meine Gedanken also einfach mal zu sortieren...

Die Idee, die Ali Shaw hatte, sich langsam in Glas zu verwandeln, ist natürlich sehr spannend und etwas komplett Neues. Von anderen Autoren umgesetzt, stelle ich mir den Roman auch super vor, aber der Autor von "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" hat einen Schreibstil, mit dem ich nichts anfangen kann. Detailliertheit und jede Menge bildlicher Beschreibung sind keine Seltenheit. Dabei ist der Satzbau aber auch noch wahnsinnig kompliziert, sodass eine hohe Konzentration erforderlich ist, wenn man den kompletten Roman verstehen möchte. Ich muss gestehen, dass ich teilweise mehrere Seiten gelesen habe, ohne zu registieren, was tatsächlich passiert. Grund ist, dass einfach zu viel "Drumherum" passiert, das ich bei langwierigen Büchern gerne mal überfliege und es mir einfach zu anstrengend war, mich komplett auf die Geschichte einzulassen. Ein Beispiel, der den komplizierten Schreibstil gut wiederspiegelt, ist gleich der allererste Satz:
In jenem Winter berichteten die Zeitungen über einen Eisberg von der Größe einer Galeone, der voll knirschender Erhabenheit an den Klippen von St. Hauda's Land vorbeitrieb, über ein Wildschwein, das verirrte Wanderer aus dem Felsenlabyrinth unterhalb des Lomdendol Tor herausführte, über einen verblüfften Ornithologen, der in einem Schwarm von zweihundert Krähen fünf Albinos gezählt hatte.
Verschachtelte Sätze, die man gut und gern auf fünf verschiedene Sätze aufteilen könnte und ein sehr ausschweifender Schreibstil ("Eisberge voll knirschender Erhabenheit") sind absolut keine Seltenheit in "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" und haben mich einfach enorm gestört und von der eigentlichen Handlung abgelenkt. Leute, die mit komplizierten Satzbauten ebenfalls größere Probleme haben, seien an dieser Stelle vor dem Roman gewarnt, denn das Buch erfordert wirklich höchste Konzentration.

Lässt man sich aber mal auf den bildlichen Schreibstil von Ali Shaw ein, kann man auch ein paar schöne, interessante und individuelle Seiten des Romans erkennen. Die Charaktere sind allesamt sehr außergewöhnlich und absolut keine 0-8-15-Charaktere. Jedes Individuum hat seine völlig eigene Geschichte, die ihn auf St. Hauda's Land zieht und auch dort hält und jeder verhält sich auf seine eigene Art und Weise. Ali Shaw hat sich hier wirklich sehr viel einfallen lassen. Midas ist beispielsweise kein typischer Männerheld eines Romans, sondern sieht nicht allzu gut aus und ist ruhig. Ebenso ist Ida ein sehr interessanter Charakter, den man auf jeden Fall näher kennen lernen möchte. Leider fiel es mir trotzdem sher schwer, mich mit den Charakteren auseinanderzusetzen und mich in sie einzufühlen. Generell kamen mir die Gefühle eher kühl und platt vor: Die Angst, die Ida verspüren sollte, kam bei mir nicht an und auch die Liebesgeschichte zwischen Midas und Ida fand ich irgendwie aufgesetzt. Ich weiß nicht, ob es am Schreibstil lag und weil ich mich zu wenig darauf eingelassen habe, aber ich fand generell irgendwie, dass Gefühle nicht allzu echt wirkten.

Die gesamte Atmosphäre in dem Roman ist ruhig, trist und melancholisch und die Handlung plätschert einfach so vor sich hin. Trotzdem ist sie aber auch irgendwie zauberhaft und spricht bestimmt einige an. Immer wieder hatte ich das Gefühl, ein typisches Märchen zu lesen, aber Märchen sollen in meinen Augen einfach kürzer und vor allem prägnanter sein, nicht so detailliert. Denn mit der wenigen Action hat sich das Ganze in meinen Augen einfach viel zu sehr gezogen.

Gegen Ende, wenn Ida immer mehr zu Glas wird, gewinnt der Roman etwas an Spannung und es ist nicht ganz so unspektakulär wie in den ersten 300 Seiten. Trotzdem habe ich irgendwie das Gefühl, dass ich das Buch umsonst gelesen habe... denn erfahren habe ich in dem Roman genau nichts. Warum wird Ida zu Glas? Ist es eine Krankheit oder ein Zauber? Durch welche Umstände hat sie sich das eingefangen? Ich war ganz am Ende wirklich enttäuscht, dass 400 Seiten lang auf ... naja, sagen wir einfach mal, nichts, hingearbeitet wird.

Wie bereits erwähnt habe ich nicht das Gefühl, dass der Roman von Ali Shaw schlecht ist, sondern dass er einfach nichts für mich war. Mich hat der Schreibstil nicht angesprochen und deshalb konnte ich mich auch nicht wirklich darauf einlassen. Ich kann die ganzen positiven Rezensionen alle verstehen, und habe einfach das Gefühl, dass ich selbst dem Buch nicht gerecht wurde. Ich würde auf jedem Fall jedem, der das Buch lesen will, raten, sich vorher darüber im Klaren zu werden, was einen erwartet: Nämlich eine völlig außergewöhnliche Geschichte, die man so noch nicht kennt, mit einem völlig außergewöhnlichen Schreibstil, den man entweder mag oder eben nicht.

In wenigen Worten

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen ist ein Roman, der sich durch viel Detail und Tiefgründigkeit von anderen Jugendbüchern abhebt. Mir persönlich hat das leider nicht zugesagt und ich fand den komplizierten Satzbau gepaart mit wenig Action leider einfach nur langweilig. Ich kann weder eine Empfehlung noch eine Warnung aussprechen, denn jeder muss selber entscheiden, ob ihm diese Art von Buch zusagt, oder nicht. Für mich persönlich kann ich aufgrund der eigentlich guten Idee leider nur 2 Schlüssel vergeben.

Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel
im Detail:
  • Idee: 4 von 5
    Toll, hat mich von Anfang an überzeugt und ist etwas anderes, als sonst üblich!
  • Figuren: 4 von 5
    Toll beschrieben, jeder mit seiner eigenen Geschichte aber leider nicht völlig nachvollziehbar.
  • Spannung: 1 von 5
    Bis auf ein paar winzig kleine Ausnahmen auf 2-3 Seiten: Fehlanzeige!
  • Einstieg in das Buch: 1 von 5
    Aufgrund des gewöhnungsbedürftigen komplizierten Schreibstil äußert schwierig!
  • Spaß: 0 von 5
    Gibts nicht.
  • Cover: 3 von 5
    Ich mag das deutsche Cover, es ist schlicht und sieht trotzdem gut aus. Besonders der Silberschnitt gefällt mir. Das oben gezeigte dritte gefällt mir aber um Längen besser!
Ein herzlicher Dank ergeht an den Script5 Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensions-
exemplares.

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