März 2012

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Scherbenmond

Autor: Bettina Belitz
Originaltitel: Scherbenmond
Genre: Jugendbuch / Fantasy
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenanzahl: 687 (im Hardcover)

Das gehört dazu

Scherbenmond ist der zweite Teil einer Trilogie von Bettina Belitz. Der Abschluss der Reihe ist im November 2011 erschienen. Die Reihe selbst ist nach eigenen Worten der Autorin eigentlich kein richtiges Jugendbuch, sondern ein Buch für junge Erwachsene und behandelt einige Themen die wohl erst für Leser ab 16 geeignet sind. Die Namen der Teile der Reihe nach sind: Splitterherz, Scherbenmond, Dornenkuss.

Die Frau hinter der Geschichte

Bettina BelitzDie deutsche Autorin wäre 1973 beinahe in einer Bäckerei in Heidelberg zur Welt gekommen, was sie heute als Erklärung für ihre Leidenschaft für Pflaumenkuchen sieht. Belitz wuchs zwischen unzähligen Büchern auf und verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Aber Lesen allein genügte ihr nicht und schon bald mussten eigene Geschichten auf Papier geschrieben werden. Nachdem sie einige Jahre nach dem Studium als Redakteurin und freie Journalistin arbeitete machte sie das auch zu ihrem Beruf. Heute lebt die Autorin umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern im Westerwald und schreibt bevorzugt für Jugendliche.

Darum geht's in dem Roman

Seit Ellie umgezogen ist scheint es, als würde sie nur noch vom Pech erfolgt. Nach einem turbulenzenreichem Jahr, in dem sie erfahren hat, dass ihr Vater ein halber Nachtmahr ist und sich in Colin, einen ganzen Nachtmahr, verliebt hat, ist ihr Leben alles andere als normal.

Nachdem Colin aber von seiner Mutter, Tessa, gefunden wurde und Ellie in Gefahr gebracht hat, hat er sich zurückgezogen und Ellie allein gelassen. Auch Ellies Vater ist weg. Er hat mal wieder eine seiner längeren Forschungssreisen unternommen, meldet sich aber in letzter Zeit gar nicht mehr. Was ist nur passiert?

Gemeinsam mit ihrer Mutter beschließt Ellie, dass es mittlerweile an der Zeit ist, einen der Notfallbriefe ihres Vaters zu öffnen. Für den Fall seines Verschwindens hat Ellies Vater seiner Tochter einen ganz besonderen Auftrag gegeben: Sie soll versuchen, ihren Bruder Paul, der sich von der Familie abgewandt hat, zurückzubringen und in seinen Mauern einen Safe-Schlüssel für eine geheime Kiste im Keller finden.

Weil sie sowieso nichts Besseres zu tun hat, als sich selbst zu bemitleiden, macht sich Ellie auf den Weg nach Hamburg zu Paul. Diesen erkennt Ellie aber kaum wieder: er ist depressiv, hat sein Studium abgebrochen und ist plötzlich schwul geworden. Sein Partner, François, benimmt sich zudem höchst eigenartig. Aber warum hat sich Paul nur so verändert? In Ellie keimt der schreckliche Verdacht, dass Paul regelmäßig von einem Nachtmahr befallen wird.

Um ihrem Bruder zu helfen, benötigt Ellie allerdings mehr Informationen über Nachtmahre und damit die Hilfe von Colin, den sie eigentlich nie wieder sehen sollte, um Tessa nicht schon wieder anzulocken. Trotzdem vermisst Ellie ihn schrecklich und versucht alles, um ihn wieder zu sehen und Paul zu retten...

Die Verpackung von außen

Das halte ich davon

Nach einem meiner Meinung nach schwachen Einstieg in die Trilogie habe ich mir von Scherbenmond nicht mehr allzu viel erwartet, wollte es aber dennoch lesen, um zu erfahren, wie es mit Ellie und Colin weitergeht. Und ich bin froh, dass ich es auch durchgezogen habe, denn der zweite Teil hat mir um Einiges besser gefallen, als Splitterherz!

Zuallererst möchte ich betonen, dass die Handlung um einiges strukturierter und durchdachter war, als bereits in Splitterherz. Von Anfang hat der Leser etwas, woran er sich festhalten kann, einen roten Faden, den er verfolgen kann: Der Auftrag, den Ellie von ihrem Vater erhalten hat. Gespannt beobachtet man, wie Ellie nach Hamburg fährt, ihren Bruder nach langer Zeit wieder trifft und versucht, den Schlüssel für das Safe im Keller zu finden. Dass Ellie dann von ihrem eigentlichen Ziel abgelenkt wird und sich eher auf Pauls verwirrten Zustand konzentriert, tut der ganzen Handlung kaum einen Abbruch.

Es ist nämlich extrem spannend zu verfolgen, was wirklich hinter Pauls Sinneswandlung steckt und wie Ellie ihn daraus zu befreien versucht. Über den ursprünglichen Handlungsstrang, nämlich das Verschwinden von Ellies Vater, erfährt man als Leser so gut wie gar nichts. Das macht aber überhaupt nichts, denn aufgrund der Spannung und Überraschungsmomente, die es in Hamburg gab, war ich als Leser die ganze Zeit über gewillt, weiterzulesen. Und am Ende kann man sich dann auf den dritten Teil freuen, der wohl endlich Genaueres über den Verbleib von Ellies Vater liefern wird.

Scherbenmond ist trotz seiner über 600 Seiten auch nicht mehr so langatmig wie Splitterherz. Natürlich gibt es auch hier wieder Szenen, die sehr lang beschrieben wurden und die man auch kürzen hätte können, aber aufgrund der Spannung und überraschenden Wendungen, die Bettina Belitz in viel höherer Zahl als in Splitterherz eingebaut hat, hat mich das nicht gestört. Im Gegenteil: Dieses Mal wollte ich sogar so lange wie möglich dabei sein, noch viel mehr Überraschungen erleben und wünschte mir kein baldiges Ende für das Buch!

Mein einziger Kritikpunkt an dem Roman ist der anstrengende Charakter von Ellie, der mich auch schon im ersten Teil gestört hat. Meiner Meinung nach handelt Ellie äußerst irrational, ist nervig, überdreht und viel zu sensibel. Häufig hat sie heftige Gefühlsausbrüche, die mich als Leser nur genervt die Augen verdrehen ließen. Natürlich ist sie mit ihren Nerven am Ende, das ist für mich auch nachvollziehbar in ihrer Situation, aber richtig bösartig und zickig zu handeln, rechtfertigt das meiner Meinung nach nicht. Ich weiß, dass die Autorin beabsichtigt hat, Ellie einen anstrengenden Charakter zu geben, aber für mich ist es leider nie schön, wenn ich mit der Protagonistin des Buches nicht warm werden kann.

Dafür sind die vielen neuen Charaktere, die sich aufgrund des komplett anderen Settings als in Splitterherz zwangsweise ergeben haben, wirklich gut gelungen. François ist eine scheußliche Person, man kann Ellies Abneigung nachvollziehen und mag ihn als Leser selbst nicht und trotzdem ist er außerordentlich gut gelungen. Tillman, der in Hamburg auch mit von der Partie ist und eine größere Rolle als in Splitterherz bekommt, hat mir ebenso sehr gut gefallen und wurde mir auch sehr sympathisch. Er ist eine Figur, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist. Colin ist faszinierend wie im ersten Teil, für mich aber nicht mehr ganz so eigenartig, sodass mir die auch Szenen zwischen Ellie und Colin gut gefallen haben. Viele andere neue Charaktere, die ich hier nicht namentlich nennen will, konnten mich ebenso begeistern. Das ist der Autorin dieses Mal gut gelungen!

Der Schreibstil von Bettina Belitz ist weiterhin sehr bildlich und detailliert, was wieder ab und zu zu kleinen Verwirrungen führte: Träumt Ellie die Szene gerade oder ist diese echt? Gerade zum Schluss muss man als Leser einige Passagen öfter lesen, um zu verstehen, was wirklich geschehen ist. Auch nicht logisch war für mich, dass Tillman von der Existenz der Nachtmahre Bescheid weiß - angeblich soll er das am Ende von Splitterherz erfahren haben. Ich habe Scherbenmond gleich im Anschluss an Splitterherz gelesen und sollte das eigentlich wissen, trotzdem habe ich mich gewundert, das hätte man vielleicht besser ausformulieren sollen.

In wenigen Worten

Alles in allem ist Scherbenmond ein schöner Fantasy-Roman, der seinen Vorgänger um Einiges übertrifft. Hat man erst einmal Geduld mit der Protagonistin Ellie und sieht über ihre nervigen Eigenschaften hinweg, so wird man mit vielen spannenden Momenten und Textpassagen belohnt, die einem das Lesen zur Freude machen. Ich vergebe 4 Schlüssel.

Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel

im Detail:

  • Idee: 4 von 5
    Neue Handlungsstränge, viele Überraschungen, gut!
  • Figuren: 3 von 5
    Abgesehen von Ellie gefallen mir die Charaktere alle recht gut.
  • Spannung: 4 von 5
    Viel mehr Spannung als im ersten Teil und fast durchgängig!
  • Einstieg in das Buch: 4 von 5
    Man ist sofort wieder mitten in Ellies Umfeld und versteht alles.
  • Spaß: 4 von 5
    Spaß kommt auch in Scherbenmond nicht zu kurz.
  • Cover: 4 von 5
    Das Cover gefällt mir, wie auch schon das von Splitterherz, sehr gut und hebt sich auf jeden Fall auch von der breiten Masse ab!

Kommentare

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