März 2012

Mo Di Mi Do Fr Sa So
27 28 0 0 2 3 4
0 0 7 8 9 10 11
0 13 0 15 16 17 0
0 20 21 22 0 24 25
26 27 28 29 0 31 0

Zweiunddieselbe

Titelbild Autor: Mary E. Pearson
Originaltitel: The Adoration of Jenna Fox
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: US: 2008 / D: 2009
Seitenanzahl: 336

Das gehört dazu

Zweiunddieselbe ist ein in sich abgeschlossener Einzelband. Es gibt aber bereits, zumindest auf Englisch, eine Fortsetzung des Romans, die sich mit den besten Freunden von Jenna Fox beschäftigt, die eigentlich bei dem Unfall gestorben sind. Der Titel der Fortsetzung lautet Nieundewig.

Die Frau hinter der Geschichte

Mary E. PearsonMary E. Pearson wurde 1955 in Südkalifornien geboren. Nach ihrem Studium an der Universität in San Diego unterrichtete sie viele Jahre an einer Schule, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Zweiunddieselbe ist bereits der vierte Jugendroman der amerikanischen Autorin.
Pearson ist verheiratet und hat zwei Töchter. Neben dem Schreiben liest sie selbst sehr gerne, macht lange Spaziergänge, geht Skifahren oder bekocht ihre Familie.

Darum geht's in dem Roman

Die 17jährige Jenna Fox erlitt vor einigen Monaten einen schrecklichen Unfall. Einen Unfall, an den sie sich nicht mehr erinnern kann, und den sie nur mit Müh und Not überlebt hat, wie ihre Eltern ihr erzählen, nachdem sie aus dem Koma erwacht ist.

Um sich selbst zu schonen, ist Jenna gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter an einen abgelegenen Ort gezogen. Dort soll Jenna mit so viel Ruhe wie möglich alte Familienvideos ansehen, um sich an ihr vorheriges Leben zu erinnern. An die Jenna, die sie vor dem Unfall war.

Und langsam kehren auch wieder einige Erinnerungen zu Jenna zurück, aber das sind nicht nur gute. Durch Rumschnüffeln und Erzählungen von Nachbarn erfährt Jenna, dass vieles gar nicht so ist, wie ihr ihre Eltern weismachen wollen. Sie erfährt den Grund, warum diese wollen, dass sie nicht mehr zur Schule geht und warum sie wirklich so weit abgelegen wohnen: Denn Jenna Fox darf es nicht mehr geben. Bei dem Unfall hätte sie eigentlich sterben sollen, aber ihre Eltern haben alles Notwendige getan, um sie zu retten, weil sie nicht loslassen konnten. Aus den restlichen 10% ihres Gehirns wurde eine neue Jenna Fox geschaffen, mit einem neuen Körper und nur sehr wenigen Erinnerungen. Aber das ist verboten, und darum soll Jenna nicht mehr mit der Öffentlichkeit zu tun haben...

Die Verpackung von außen

Das halte ich davon

Zweiunddieselbe ist ein gelungener Roman, der vor allem dadurch brilliert, dass der Leser sehr zum Nachdenken angeregt wird.

Als Leser weiß man von Beginn an genauso wenig wie Jenna, auch wenn man vielleicht aufgrund von Klappentexten und anderen Rezensionen mehr vermutet als sie. Trotzdem kann man gespannt verfolgen, wie Jenna sich ihre Erinnerungen langsam wieder aneignet und auf der Suche nach Spuren ihrer selbst ist. Durch die Ich-Perspektive kann man sich dabei sehr gut in sie hineinversetzen und die Gefühle, die sie immer wieder verspürt, auch gut nachvollziehen.

Als Jenna Fox dann nach und nach hinter die wahre Geschichte ihres neuen "Ichs" kommt, werden viele ethische Fragen aufgeworfen, die im gesamten Roman keine Beantwortung finden. Das ist aber auch gut so, denn der Leser soll diese Fragen kritisch angehen und sich selbst eine eigene Meinung bilden. Mary E. Pearson lenkt die Thematik dabei besonders auf medizinische Möglichkeiten, die wohl in Zukunft gar nicht so außer Frage stehen, und über die man sich wohl heute schon Gedanken machen soll. Ist es wirklich in Ordnung, wenn man einen ganzen Menschen künstlich rekonstruiert? Sind die 10 % Gehirn ausreichend, um Jenna noch Jenna sein zu lassen? Ist Jenna überhaupt noch ein Mensch? Und wer definiert die Grenzen, was erlaubt ist und was nicht?

Mary E. Pearson hat sich in ihrer Welt dafür zwar bereits eine kleine Regelung einfallen lassen, aber richtig gut ist diese noch immer nicht: das Punktesystem. Jeder Mensch hat eine gewisse Anzahl an Punkten zur Verfügung, die er im Laufe seines Lebens verbrauchen darf. Eine neue Niere "kostet" dabei mehr als ein neuer Arm. Sobald ein Mensch seine Punkteanzahl verbraucht hat, hat er die obere Grenze der "Künstlichkeit" erreicht und weitere Transplantationen bleiben ihm verwährt. Obwohl die Idee dahinter vielleicht gar nicht so schlecht sein mag, wird man als Leser auch hier zu kritischem Hinterfragen angeregt. So gibt es zum Beispiel ein Mädchen, das Jenna im Laufe der Geschichte kennen lernt, die bereits sehr viele Punkte verbraucht hat, und trotzdem noch sehr menschlich wirkt. Würde sie jetzt einen neuen Arm brauchen, würde abgesehen von ihrem Punktekonto nichts dagegensprechen. Wer entscheidet also, ob das, was medizinisch möglich ist, auch ethisch tatsächlich korrekt ist?

Obwohl es eigentlich keine richtige Handlung gibt und es nur um Jennas neues Leben geht, an das sie sich nach und nach gewöhnen muss, verfolgt der Leser gespannt ihre Geschichte. Jenna ist einfach ein liebenswerter Charakter, von dem man einfach mehr wissen will. Aus diesem Grund verfolgt man gespannt ihr "Zu-sich-selbst-finden" auch wenn es keine richtigen Spannungselemente gibt.

Mit der Zeit ergibt sich ein kleiner Konflikt, der am Ende dann aber ganz schnell aufgelöst wird. Das Ende kommt also sehr abrupt, ist auch extrem überraschend, aber trotzdem irgendwie gelungen, weil es zum Rest des Romanes passt. Der Leser kann sich selbst eine Meinung bilden und sich Gedanken machen, was wohl auch Mary E. Pearson beabsichtigt hatte. Durch einen schönen Epilog erfährt man auch noch einige Dinge, die den Roman komplett in sich abschließen. Die Fortsetzung, die nicht unbedingt nötig gewesen wäre, erwartet man trotzdem voller Vorfreude.

In wenigen Worten

Zweiunddieselbe ist ein Roman, der vor allem durch seinen ethischen Gehalt überzeugen kann. Immer wieder wird der Leser zum Nachdenken angeregt und soll sich sebst eine Meinung bilden, denn die Autorin liefert keine Lösungen für die Konflikte. Eine richtige Handlung mit Spannungshöhepunkt und Aufklärung gibt es dafür nicht. Für einen außergewöhnlichen Roman vergebe ich gute 4 Schlüssel.
Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel Schlüssel

m Detail:

  • Idee: 3 von 5
    Mary E. Pearson hat als Schauplatz die Zukunft gewählt, und sich viele Dinge einfallen lassen, die gar nicht so unmöglich scheinen. Leider nicht ganz neu!
  • Figuren: 5 von 5
    Mit allen Figuren in dem Roman kann man sich identifizieren und ihre Standpunkte nachvollziehen. Außergewöhnlich gut!
  • Spannung: 2 von 5
    Wirklich spannend ist der Roman nie, trotzdem bleibt man immer fasziniert "am Ball", weil man wissen will, was Jenna noch so alles herausfindet.
  • Einstieg in das Buch: 4 von 5
    Jenna wacht aus dem Koma auf und erzählt von ihren ersten Eindruck. Mehr als sie kann der Leser aus der Perspektive gar nicht wissen - gelungen!
  • Spaß: 1 von 5
    Spaßig war der Roman nicht, muss er aber auch nicht sein.
  • Cover: 2 von 5
    Das deutsche Cover gefällt mir leider nicht ganz so gut, ich finde die Proportionen des Schmetterlings nämlich nicht schön. Da ist das Englische mit dem Puzzle schon viel schöner!

Kommentare

Ich garantiere nicht für Spoilerfreiheit in den Kommentaren!

Keine Verbindung zu der Datenbank möglich.