März 2012

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Noch kein Titel - Kapitel 2: Das neue Projekt

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Um Punkt 6:30 Uhr klingelt mein Wecker. Mist, heute ist ja Schule!
Verschlafen richte ich mich in meinem Bett auf. Ich habe keine Lust auf Schule. Dann gibt sich wieder jeder mit Janine ab und ich muss alleine in der Ecke sitzen. So war das bisher immer.
Seufzend lege ich mich wieder zurück ins Bett. Gestern Abend war es noch toll. Keine Janine, keine Arbeit. Ich konnte also perfekt in meinem Bett liegen und in meinem Buch weiterlesen. Schade, dass meine Schwester heute wieder zu Hause übernachtet.
Plötzlich öffnet sich die Zimmertür. Überrascht richte ich mich wieder auf.
"Ja?"
Meine Mutter steckt ihren Kopf durch die Tür. "Ich wollte nur gucken, ob du schon wach bist. Normalerweise bist du immer als erster im Bad und sitzt dann beim Frühstück aber heute ist es schon zehn vor sieben und du liegst noch immer im Bett. Bist du krank?"
"Nein, ich dachte mir nur ich kann länger liegen bleiben, weil Janine ja nicht da ist. Tut mir Leid, ich stehe auch sofort auf!" Ich gebe meine Füße aus dem Bett und stehe auf. Dann schaue ich meine Mutter an.
"Du kannst gerne wieder gehen, ich kann mich alleine anziehen", sage ich lachend.
Meine Mutter dreht sich mit einem kurzen "Natürlich" um und geht aus dem Zimmer.
Ich schüttle den Kopf vor so viel Unsinn. Normalerweise ist meine Mutter schon wütend, wenn ich mal erst fünf Minuten nach dem Weckerläuten aus dem Zimmer komme. Heute aber ist irgendetwas anders. Vielleicht, weil Janine nicht da ist und sie niemanden zum Bevorzugen hat.
Unwillkürlich muss ich grinsen. Echt schade, dass Janine heute Abend wieder zu Hause ist.

Drei Minuten vor halb acht verlasse ich das Haus. Das Frühstück war echt angenehm. Ich konnte mir ohne Probleme alles nehmen, auf was ich gerade Lust hatte. Ohne jegliche Rücksicht auf Janines Sonderwünsche. Ohne die beste Marmelade für meine Schwester übrig zu lassen. So glücklich wie heute war ich schon ewig nicht mehr!
Und mein Glück wird auch nicht getrübt, als der Schulbus kommt. So wie immer, muss ich auch heute ganz vorne und alleine in einer Reihe sitzen. Aber wenigstens ist Janine nicht dabei und lästert mit ihren Freundinnen über mich. Die muss ja heute mit einem anderen Bus fahren.
Ich lächle vor mich hin. Ja, heute redet mich keiner blöd von der Seite an. Heute bin ich einfach ein unscheinbarer 15jähriger Junge, für den sich niemand interessiert.
Aber meine gute Laune verfliegt schlagartig, als ich in der Schule ankomme. Janine ist schon da und würdigt mich keines Blickes. Sie flüstert lediglich ihren Freundinnen etwas zu, die daraufhin zu mir hersehen und lachen. Was solls, das ist sowieso immer so. Trotzdem ist meine Laune auf dem Tiefpunkt.
Während ich mich schon mal langsam ins Schulgebäude begebe, läutet die Schulglocke zur ersten Stunde und mir folgen mehre kleine Grüppchen auf dem Weg zu ihren Klassen.
In der ersten Stunde haben wir Deutsch bei Frau Pucher. Sie ist ziemlich streng, wenn man schlecht in ihrem Fach ist, aber ansonsten ist sie immer ganz nett.
Irgendwie freue ich mich auf Deutsch. Da ich jetzt in die zehnte gehe, müssen wir keine Grammatik mehr machen und somit ist der Unterricht toll. Wir lesen jede Menge Bücher und schreiben auch selbst an Geschichten und Gedichten. Das liebe ich. Und in diesem Fach fühle ich mich auch einmal gesehen und nicht unsichtbar, wie sonst immer.
Wir starten heute ein Projekt in unserer Klasse. Frau Pucher erklärt uns die Aufgaben und Ziele dieser Arbeit: "In diesem neuen Projekt gilt es zu lernen, wie man eigene Gefühle und Erlebnisse in einer interessanten Geschichte beschreibt. Darum ist es eure Aufgabe, einen Aufsatz über ein besonderes Erlebnis in eurem Leben zu schreiben. Ich kann nicht überprüfen, ob ihr auch die Wahrheit schreibt, aber ich bitte euch doch, dies zu tun, da die Geschichte dann einfach viel wirklicher wirkt. Da dieses Projekt ziemlich umfangreich ist, habt ihr zwei Monate dafür Zeit. Pünktlich am 17. November möchte ich die Aufsätze zurück haben. Ihr könnt in den Unterrichtsstunden und zu Hause arbeiten und in den Stunden machen, was ihr wollt. Das ist euch überlassen, aber ich erinnere noch einmal daran, dass ihr am 17. November fertig sein müsst."
Unruhe überrennt die Klasse. Jeder diskutiert mit seinem Nachbarn die neue Arbeit durch, nur ich nicht. Da wir eine ungerade Zahl sind, sitze ich alleine, aber mir macht es nichts aus, da ich mich sowieso neben niemandem aus unserer Klasse wohlfühlen würde.
Ich mache mir lieber meine eigenen Gedanken. Die Aufgabe gefällt mir gar nicht so gut, wie ich erwartet hatte. Klar, ich liebe es, wenn ich Geschichten schreiben kann, aber am liebsten erfinde ich diese. Meine eigenen Gedanken, Gefühle und Erfahrungen gehen niemanden etwas an, die gehören nur mir und ich will sie nicht offen zur Schau stellen.
"Müssen wir diese Geschichte dann öffentlich vorzeigen, beziehungsweise bekommt sie jemand anderes als Sie zu lesen?", frage ich nun Frau Pucher. "Das möchte ich nämlich eigentlich nicht", füge ich noch hinzu.
Sie sieht mich an. "Charlie, diese Frage hätte ich nicht von dir erwartet. Du warst doch immer einer, der seine Geschichten gerne vorgelesen hat! Und gut sind sie auch immer, warum möchtest du das denn nicht?"
"Weil das meine eigenen Gefühle und Gedanken sind und keinen etwas angehen", beantworte ich ihre Frage. "Können Sie mir also bitte sagen, ob meine Erlebnisse sonst noch von jemandem gelesen werden?"
Frau Pucher sieht nun ziemlich verunsichert aus. "Eigentlich hatte ich geplant, dass wir diese Geschichten alle öffentlich ausstellen, die besten eventuell sogar bei einer Schulfeier vorlesen werden." Sie wendet sich an die Klasse. "Gibt es denn noch jemanden, der Charlies Ansichten teilt? Dann müsste ich meine Pläne ändern."
Niemand meldete sich. Klar, es teilt nie jemand meine Meinung. Nur Janine lies einen spitzen Kommentar fallen: "Nur weil Cha seine ohnehin sinnlosen Gedanken niemandem preisgeben will, müssen wir doch nicht gleich das ganze Projekt in den Sand setzen. Charlie hat doch schon immer seine eigenen abnormalen Dinge durchgezogen. Er muss doch seine Geschichte nicht aufhängen, er muss sie nur schreiben und alles ist gut."
"Okay." Irritiert wendet sich Frau Pucher wieder an mich. "Charlie, wenn das okay für dich ist, würde ich die Geschichten trotzdem gerne öffentlich vortragen. Wenn du das nicht möchtest, bist du bei diesen Events eben nicht dabei und gibst deine Geschichte nur mir ab. Bist du damit einverstanden?"
Ich nickte. Klar, alles was ich wollte, war bloß, nicht meine eigenen Gedanken vortragen zu müssen. "Kein Problem, Frau Pucher. Vielen Dank", sagte ich.
"Gut, dann könnt ihr jetzt mit euren Geschichten starten. Ich würde euch empfehlen, zuerst einige Ideen sammeln und erst dann richtig beginnen, zu schreiben. Nicht, dass ihr später eine bessere Idee habt." Frau Pucher wendet sich von uns ab und setzt sich zu ihrem Schreibtisch. "Bei Fragen kommt ihr bitte zu mir heraus, damit ihr die anderen nicht stört."
Janine geht sofort nach draußen und fragt unsere Deutschlehrerin leise etwas, das ich nicht verstehen kann. Dann steht Frau Pucher auf und wendet sich nochmal unserer Klasse zu. "Janine hat mich gerade gefragt, wie lange die Geschichte werden muss. Danke dafür, Janine, ich hätte es sonst vergessen. Minimum sind zehn A4-Seiten, Maximum gibt es keines. Und jetzt startet bitte wirklich."
Sie setzt sich wieder und Janine geht auch wieder zu ihrem Platz zurück. Langsam beginnt mir die Aufgabe doch ein wenig zu gefallen. Kein Maximum, das ist gut, so kann ich schreiben, was ich will.
Bei mir werden Aufsätze gerne länger, was mir manchmal Probleme bereiten kann. Nicht nur bei Schularbeiten mit dem Zeitdruck habe ich zu kämpfen, sondern auch beim Verbessern meines Aufsatzes. Ich mache zwar nicht viele Fehler, aber bei langen Geschichten summieren sich auch wenige Fehler ziemlich an.
Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück und überlege, über welches Thema ich wohl schreiben könnte. Ich habe absolut keine Idee, dafür habe ich wohl zu wenig besondere Dinge erlebt.
Gefühle und Gedanken hätte ich selbst viele, aber bei den Erlebnissen und Erfahrungen hapert es bei mir ein wenig.
Aber ich brauche mir gar nicht weiterhin Gedanken zu machen, da es in diesem Moment zur Pause läutet. Schade, ich hätte noch so gerne weiter nachgedacht. Das tut mir irgendwie gut.

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